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Eiweiß im Alltag

Muskeln ab 40 erhalten und aufbauen: Training zuerst, dann Eiweiß

Von Redaktion kalorien.info · Stand: 01.10.2026 · Prüfstatus: redaktionell geprüft, nicht extern fachlich geprüft (was das heißt)

Kurz gesagt: Muskeln erhältst du ab 40 vor allem, indem du sie regelmäßig forderst: Krafttraining an mindestens zwei Tagen pro Woche ist der am besten belegte Schritt. Eiweiß gehört dazu, aber in normalen Mengen – der Referenzwert gilt in der Lebensmitte unverändert. Zusätzliches Eiweiß oder Pulver bringt im Vergleich zum Training nur wenig.

Gemalte Kurzhanteln und ein Springseil neben einem Korb mit Eiern, einem Glas Milch und einer Schale Linsen
Illustration · symbolisch, keine Mengenangabe

Auf einen Blick

Muskeln ab 40: die wichtigsten Fakten
FrageAntwort
Muskelverlust ab etwa 501 bis 2 % Beinmuskulatur, 1,5 bis 5 % Kraft pro Jahr
Wirksamster HebelKrafttraining, zwei- bis dreimal pro Woche
WHO-EmpfehlungMuskelkräftigung an mindestens 2 Tagen pro Woche; ab 65 zusätzlich Gleichgewicht und Kraft an mindestens 3 Tagen
Eiweiß-Referenzwert 40 bis 650,8 g (DGE) bzw. 0,83 g (EFSA) je kg Körpergewicht und Tag
Zusatzeiweiß zum Trainingim Mittel kleiner Zusatznutzen; bei Älteren unsicher

Was hilft am meisten gegen Muskelabbau ab 40?

Krafttraining. Keine andere Maßnahme ist für Muskelkraft und Alltagsfunktion so gut untersucht. Der Abbau beginnt schleichend: Ab etwa 50 gehen laut der europäischen Arbeitsgruppe zur Sarkopenie jährlich 1 bis 2 Prozent der Beinmuskulatur verloren, bei der Kraft sind es 1,5 bis 5 Prozent (Cruz-Jentoft et al. 2019). Das Ziel lautet deshalb, in der Lebensmitte möglichst viel Muskulatur zu erhalten, damit später mehr übrig bleibt.

Bei Frauen kommt in der Lebensmitte ein zweiter Faktor hinzu: Im Wechseljahresübergang beginnt in einer großen US-Kohorte die Magermasse leicht abzunehmen, während Fettmasse schneller zunimmt (Greendale et al. 2019). Mehr dazu steht im Artikel Ernährung und Gewicht in den Wechseljahren.

Wie viel Krafttraining empfehlen die Fachstellen?

Nach der WHO-Leitlinie sollten Erwachsene an zwei oder mehr Wochentagen etwas tun, das die Muskeln kräftigt. Für Menschen ab 65 rät die WHO außerdem zu vielseitigen Übungen an drei oder mehr Tagen der Woche, mit dem Schwerpunkt auf Gleichgewicht und Kraft (Bull et al. 2020).

„Muskelkräftigend“ ist weiter gefasst, als es klingt. Gemeint ist alles, was große Muskelgruppen gegen einen Widerstand arbeiten lässt: Geräte im Studio, Hanteln, Gummibänder, das eigene Körpergewicht, auch schwere Gartenarbeit. Entscheidend ist, dass die Belastung mit der Zeit steigt, damit der Körper einen Grund hat, sich anzupassen. Wer länger nicht trainiert hat oder Beschwerden an Herz, Kreislauf oder Gelenken kennt, lässt sich den Einstieg am besten ärztlich oder physiotherapeutisch begleiten.

Wie viel Eiweiß braucht es dazu?

Weniger, als die Regale mit Proteinprodukten vermuten lassen. In der Lebensmitte, also etwa von 40 bis 65, gilt derselbe Referenzwert wie für jüngere Erwachsene: 0,8 g je Kilogramm Körpergewicht und Tag nach DGE, 0,83 g nach EFSA. Einen höheren Bedarf in der Lebensmitte leitet keine der beiden Stellen ab (EFSA 2017; Richter et al. 2019). Wie viel das in Gramm und auf dem Teller ist, zeigt unser Überblick Eiweiß im Alltag.

Mit Training hilft zusätzliches Eiweiß zwar, aber in kleinem Maß: In einer großen Metaanalyse betrug der Vorsprung im Mittel rund 0,3 kg fettfreie Masse und 2,5 kg Maximalkraft – das Training selbst steigerte die Maximalkraft um ein Vielfaches davon (Morton et al. 2018). Die viel zitierte Grenze von 1,6 g je Kilogramm, ab der kein weiterer Nutzen zu sehen war, stammt aus derselben Arbeit, beruht auf überwiegend jungen Teilnehmenden und ist statistisch nicht gesichert. Als Empfehlung für alle taugt sie nicht.

Was bringen Pulver, Kreatin und das richtige Timing?

Pulver sind bequem, aber nicht nötig. Die meisten Studien zu Eiweiß und Muskeln haben Supplemente eingesetzt, meist nur für 8 bis 13 Wochen. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Pulver wirksamer ist als Quark, Eier, Fisch oder Linsen. Studien über Jahre mit Endpunkten wie Stürzen oder Pflegebedürftigkeit gibt es nicht (Morton et al. 2018). Und weil viele einflussreiche Arbeiten von Molkerei- oder Supplementherstellern gefördert wurden, lohnt ein kritischer Blick auf große Werbeversprechen.

Ob tierisch oder pflanzlich: Bei Kraft und Leistung schnitten beide Quellen in Studien gleich ab, bei der Muskelmasse lagen tierische Quellen vor allem bei Jüngeren leicht vorn; Soja und Milcheiweiß unterschieden sich nicht (Reid-McCann et al. 2025). Auch die Uhrzeit ist zweitrangig: Ob das Eiweiß gleichmäßig verteilt oder am Abend gebündelt gegessen wurde, machte in den wenigen Langzeitstudien mit Älteren keinen messbaren Unterschied (Kim et al. 2018).

Mehr zu Präparaten aller Art, zu ihrem Rechtsstatus und ihren Risiken findest du im Artikel Nahrungsergänzungsmittel: was sie können und wo ihre Grenzen liegen. Einzeln eingeordnet werden Proteinpulver und Kreatin auf eigenen Seiten.

Was bringt Training außer Muskeln?

Standfestigkeit im wörtlichen Sinn. Wer ab 60 noch in den eigenen vier Wänden lebt und ein Programm mit Gleichgewichts- und Funktionsübungen absolviert, stürzt in Studien seltener – um etwa ein Viertel, auf 1.000 Teilnehmende gerechnet rund 195 Stürze pro Jahr weniger (Sherrington et al. 2019). Wer in der Lebensmitte anfängt, legt die Grundlage dafür früh.

Dazu kommt, was sich schwer in Studien messen lässt und trotzdem zählt: Getränkekisten tragen, ohne zu ächzen, den Koffer selbst in die Gepäckablage heben, beim Wandern nicht nach der zweiten Steigung umdrehen müssen. Gewichtsabnahme ist dagegen kein Ziel dieses Artikels. Muskeln sind keine Frage des Aussehens, sondern der Selbstständigkeit.

Mehr dazu im Buch: „Gut essen. Klar entscheiden.“ widmet Muskeln und Eiweiß das Kapitel „Protein, Muskeln und Bewegung“ und der Lebensmitte das Kapitel „Ernährung ab der Lebensmitte, einschließlich Wechseljahren“.

Häufige Fragen

Ist es mit 50 oder 60 zu spät, mit Krafttraining anzufangen?

Nein. Die meisten Studien, die den Nutzen von Krafttraining belegen, wurden mit Menschen ab 60 durchgeführt. Wichtig ist ein Einstieg, der zu deiner Gesundheit passt; bei Vorerkrankungen mit ärztlicher oder physiotherapeutischer Begleitung.

Reicht Spazierengehen oder Radfahren?

Für Herz und Kreislauf ist Ausdauerbewegung wertvoll. Für die Muskeln empfiehlt die WHO zusätzlich gezielte Kräftigung an mindestens zwei Tagen pro Woche, weil Ausdauerbewegung allein die Kraft weniger fordert.

Brauche ich nach dem Training sofort einen Proteinshake?

Dafür gibt es keinen belastbaren Beleg. Wann du Eiweiß isst, scheint nach den bisherigen Studien weniger wichtig zu sein als die Gesamtmenge über den Tag und das Training selbst.

Taugt pflanzliches Eiweiß genauso für den Muskelaufbau?

Für Kraft und Leistung zeigten Studien keinen Unterschied. Bei der Muskelmasse lagen tierische Quellen leicht vorn, vor allem gegenüber Pflanzeneiweiß, das nicht aus Soja stammt. Soja und Milch lagen gleichauf.

Quellen und Stand

  1. Cruz-Jentoft AJ et al. (2019): Sarcopenia: revised European consensus on definition and diagnosis. Age Ageing 48:16–31. doi:10.1093/ageing/afy169
  2. Liu CJ, Latham NK (2009): Progressive resistance strength training for improving physical function in older adults. Cochrane Database Syst Rev CD002759. doi:10.1002/14651858.cd002759.pub2
  3. Bull FC et al. (2020): World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Br J Sports Med 54:1451–1462. doi:10.1136/bjsports-2020-102955
  4. Greendale GA et al. (2019): Changes in body composition and weight during the menopause transition. JCI Insight 4:e124865. doi:10.1172/jci.insight.124865
  5. EFSA (2017): Dietary reference values for nutrients. Summary report. doi:10.2903/sp.efsa.2017.e15121
  6. Richter M et al. (2019): Revised Reference Values for the Intake of Protein. Ann Nutr Metab 74:242–250. doi:10.1159/000499374
  7. Morton RW et al. (2018): Effect of protein supplementation on resistance training-induced gains in muscle mass and strength in healthy adults. Br J Sports Med 52:376–384. doi:10.1136/bjsports-2017-097608
  8. Nunes EA et al. (2022): Protein intake to support muscle mass and function in healthy adults. J Cachexia Sarcopenia Muscle 13:795–810. doi:10.1002/jcsm.12922
  9. Tieland M et al. (2017): The Impact of Dietary Protein or Amino Acid Supplementation on Muscle Mass and Strength in Elderly People. J Nutr Health Aging 21:994–1001. doi:10.1007/s12603-017-0896-1
  10. Reid-McCann RJ et al. (2025): Effect of Plant Versus Animal Protein on Muscle Mass, Strength, Physical Performance, and Sarcopenia. Nutr Rev 83:e1581–e1603. doi:10.1093/nutrit/nuae200
  11. Kim IY et al. (2018): Protein intake distribution pattern does not affect anabolic response … in older adults. Clin Nutr 37:488–493. doi:10.1016/j.clnu.2017.02.020
  12. Chilibeck PD et al. (2017): Effect of creatine supplementation during resistance training on lean tissue mass and muscular strength in older adults: a meta-analysis. Open Access J Sports Med 8:213–226. doi:10.2147/oajsm.s123529
  13. Verbraucherzentralen, Projekt „Klartext Nahrungsergänzung“ (2026): Kreatin: Wirkung, Risiken und was beim Kauf wichtig ist. klartext-nahrungsergaenzung.de
  14. Sherrington C et al. (2019): Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database Syst Rev CD012424. doi:10.1002/14651858.cd012424.pub2

Quellen geprüft bis 30.09.2026.