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Ernährung bei Diabetes Typ 2: Was hilft und was die Studien zeigen

Von Redaktion kalorien.info · Stand: 03.10.2026 · Prüfstatus: redaktionell geprüft, nicht extern fachlich geprüft (was das heißt)

Kurz gesagt: Bei Diabetes Typ 2 gibt es keine Einheitsdiät. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hält mehrere Muster für geeignet, etwa mediterran oder vegetarisch: viel Gemüse, Vollkorn und Hülsenfrüchte, wenig gezuckerte Getränke. Bei Übergewicht ist Abnehmen der stärkste Hebel. Ein großer, ärztlich begleiteter Gewichtsverlust kann den Diabetes bei einem Teil der Betroffenen in Remission bringen.

Gemalter Teller mit viel buntem Gemüse, einer Portion Linsen und einer Scheibe Vollkornbrot, daneben eine Karaffe Wasser
Illustration · symbolisch, keine Mengenangabe

Auf einen Blick

Kernaussagen der Fachgesellschaft zur Ernährung bei Diabetes Typ 2
FrageAntwort der Fachleute
Eine beste Diät?nein; mediterran, vegetarisch oder vegan sind möglich
Kohlenhydratebevorzugt aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Nüssen
Ballaststoffe30 g am Tag als Zielgröße für die Beratung
Gezuckerte Getränkemöglichst meiden, durch Wasser ersetzen
Gewicht bei ÜbergewichtAbnahme unter Erhalt der Muskeln; 5–10 % senken Risiken
Remissionbei Adipositas eher ab etwa 15 kg Abnahme, früh nach der Diagnose

Welche Ernährung ist bei Diabetes Typ 2 die richtige?

Die eine richtige gibt es nicht – aber mehrere gute. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes nennt die nicht-medikamentöse Basistherapie, zu der die Ernährung gehört, ausdrücklich die Grundlage jeder Behandlung (NVL Typ-2-Diabetes 2023). Wie diese Ernährung aussehen soll, beschreibt die Praxisempfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG): Für die Behandlung und zum Senken des Risikos für Herz-Kreislauf-Folgen sind verschiedene Muster akzeptabel, etwa eine mediterrane Ernährung, eine vegetarische oder eine vegane. Für DASH, nordische Kost oder Paleo reicht die Studienlage bei Diabetes Typ 2 bisher nicht für eine Empfehlung (Skurk et al. 2025).

Solange kein Muster klar überlegen ist, rät die DDG, sich an den Gemeinsamkeiten zu orientieren: nicht stärkehaltiges Gemüse und wenig verarbeitete Lebensmittel bevorzugen, raffinierten Zucker meiden. Der Ernährungsplan soll zu deinen Vorlieben, deinem Alltag und deiner Therapie passen. Eine spezielle „Diabetesdiät“ für alle ist das ausdrücklich nicht.

Abzugrenzen ist der Typ-1-Diabetes: Dort fehlt das Insulin, und die Ernährung dient vor allem dazu, die Insulingabe an die Kohlenhydrate anzupassen. Für Typ 1 gibt es eine eigene Empfehlung der DDG; dieser Artikel betrifft nur Typ 2.

Wie viele Kohlenhydrate sind bei Diabetes sinnvoll?

Eine feste Grammzahl für alle nennt die DDG nicht. Zum Abnehmen hält sie eine moderate Reduktion der Kohlenhydrate vor allem kurzfristig für empfehlenswert. In Vergleichen senkt Low Carb HbA1c und Gewicht am stärksten; mit der Zeit gleichen sich Low Carb und fettarme Kost in ihrer Wirkung aber an. Für das Halten des Gewichts seien beide wahrscheinlich gleichwertig, die Wahl soll nach Vorliebe fallen (Skurk et al. 2025).

Wichtiger als die Menge ist oft die Quelle. Kohlenhydrate sollten bevorzugt aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen stammen. Unter 66 untersuchten Lebensmittelgruppen schnitten genau diese drei bei den Herz-Kreislauf-Risikowerten am besten ab. Ballaststoffe aus natürlichen Quellen sollen täglich auf den Teller; 30 g am Tag sind laut DDG eine sinnvolle Zielgröße für die Beratung, auch wenn die Evidenz für genau diese Zahl gering ist. Wo Ballaststoffe stecken, zeigt der Artikel Ballaststoffe.

Kohlenhydrate und Ballaststoffe je üblicher Portion (BLS 4.0, Portionen: Annahme der Redaktion)
LebensmittelPortionKohlenhydrateBallaststoffe
Vollkornbrot1 Scheibe (50 g)19,0 g5,0 g
Toastbrot2 Scheiben (50 g)23,4 g2,0 g
Linsen, gekocht150 g23,3 g10,8 g
Vollkornnudeln, gekocht240 g54,2 g9,4 g
Nudeln, gekocht240 g68,8 g3,6 g
Orange150 g13,3 g3,3 g
Orangensaft200 ml17,0 g0,6 g
Cola mit Zucker330 ml34,0 g0 g

Dürfen Menschen mit Diabetes Obst und Süßes essen?

Obst ja, in normalen Portionen. Eine Einteilung in „erlaubte“ und „nicht erlaubte“ Obstsorten hält die DDG nicht für sinnvoll. Vermeiden sollten Menschen mit Typ-2-Diabetes aber große Portionen Obst und stärkereiche Beilagen auf einmal, weil sie den Blutzucker nach dem Essen stark anheben. Wer Insulin spritzt, berücksichtigt Obst mit seinen Kohlenhydrateinheiten in der Insulindosis (Skurk et al. 2025).

Eindeutig ist die Empfehlung bei Getränken: Gezuckerte Getränke sollen Menschen mit Typ-2-Diabetes möglichst meiden und durch Wasser ersetzen; ungesüßter Tee, Kaffee oder kalorienfrei gesüßte Getränke sind Alternativen. Die Tabelle oben zeigt den Grund: Ein Glas Orangensaft liefert mehr Zucker als eine ganze Orange, aber kaum Ballaststoffe, eine Dose Cola liefert 34 g Zucker. Was als freier Zucker zählt, erklärt der Artikel Gesamtzucker, freier Zucker, zugesetzter Zucker. Süßigkeiten sind nicht tabu, bleiben aber die Ausnahme. Zimt oder Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt die DDG zur Diabetesbehandlung nicht, weil ein Nutzen für die Stoffwechselwerte fehlt.

Kann Abnehmen einen Typ-2-Diabetes zurückdrängen?

Bei einem Teil der Betroffenen ja, vor allem kurz nach der Diagnose und mit einem großen Gewichtsverlust. Die bekannteste Studie dazu ist DiRECT aus Großbritannien. Erwachsene mit Übergewicht, deren Diagnose höchstens sechs Jahre zurücklag und die kein Insulin brauchten, ersetzten drei bis fünf Monate lang ihr Essen durch eine Formuladiät mit rund 825 bis 853 kcal am Tag, unter ärztlicher Aufsicht und mit abgesetzten Diabetesmedikamenten. Danach kamen schrittweise wieder normale Mahlzeiten und eine Begleitung zum Halten (Lean et al. 2018).

Nach einem Jahr waren 46 % der Teilnehmenden in Remission, das heißt mit einem HbA1c unter 6,5 % ohne Diabetesmedikamente; in der Vergleichsgruppe waren es 4 %. Entscheidend war das Gewicht: Wer 15 kg oder mehr abnahm, erreichte zu 86 % eine Remission. Das schaffte aber nur knapp ein Viertel. Nach zwei Jahren waren noch 36 % in Remission (Lean et al. 2019). Die DDG empfiehlt deshalb bei Adipositas eine Abnahme von etwa 15 kg anzustreben, wenn eine Remission das Ziel ist; schon 5 bis 10 % weniger Gewicht senken Risiken wie Insulinresistenz und erhöhte Blutfette. Wie man ein Defizit realistisch plant, steht im Artikel Kaloriendefizit realistisch planen.

Nicht für alle ist Abnehmen das Ziel. Bei älteren, gebrechlichen Menschen mit Diabetes stehen nach der DDG Selbstständigkeit und das Vermeiden von Mangelernährung und Unterzuckerungen im Vordergrund; Übergewicht soll dort nicht reduziert werden. Mehr dazu im Artikel Ernährung im höheren Alter.

Lässt sich Diabetes Typ 2 mit Ernährung vorbeugen?

Bei erhöhtem Risiko lässt sich die Erkrankung zumindest oft hinauszögern. Im amerikanischen Diabetes Prevention Program nahmen über 3.200 Erwachsene mit erhöhten Blutzuckerwerten teil. Die Lebensstilgruppe hatte das Ziel, mindestens 7 % abzunehmen und sich 150 Minuten pro Woche zu bewegen. In knapp drei Jahren erkrankten in dieser Gruppe 58 % weniger an Diabetes als unter Placebo (Knowler et al. 2002). Die Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt bei Laborwerten im Bereich des erhöhten Risikos deshalb Ernährungsumstellung und Bewegung; in einer Cochrane-Auswertung erkrankten mit solchen Programmen 14,8 % statt 25,7 %. Für einen Effekt auf die Sterblichkeit ist die Evidenz laut Leitlinie allerdings sehr unsicher.

Was ist bei Medikamenten, Alkohol und Fasten zu beachten?

Hier liegt das wichtigste Risiko einer Ernährungsumstellung. Wer Insulin oder bestimmte Tabletten nimmt, kann beim deutlichen Weglassen von Kohlenhydraten, beim Fasten oder nach Alkohol in eine Unterzuckerung geraten. Die DDG nennt das ausdrücklich für Intervallfasten und für Low Carb unter Insulin, das nur mit engmaschiger Kontrolle erfolgen soll; größere Alkoholmengen erhöhen unter Insulin das Risiko für schwere, besonders nächtliche Unterzuckerungen (Skurk et al. 2025). Für die Gesundheit insgesamt rät die DGE ohnehin, auf Alkohol möglichst zu verzichten (DGE 2024, Alkohol).

Häufige Fragen

Was darf man bei Diabetes Typ 2 essen?

Grundsätzlich alles, die Mischung macht es. Viel nicht stärkehaltiges Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse und wenig verarbeitete Lebensmittel bilden die Basis; gezuckerte Getränke und große Portionen auf einmal sind ungünstig.

Muss man bei Diabetes auf Kartoffeln, Reis und Nudeln verzichten?

Nein. Die DDG rät nur, große Portionen stärkereicher Beilagen auf einmal zu vermeiden. Vollkornvarianten und Hülsenfrüchte liefern mehr Ballaststoffe; wer Insulin nutzt, rechnet die Kohlenhydrate in die Dosis ein.

Hilft Low Carb bei Diabetes Typ 2?

Kurzfristig senkt Low Carb HbA1c und Gewicht oft am stärksten. Langfristig gleichen sich Low Carb und fettarme Kost an. Unter Insulin nur mit engmaschiger Kontrolle durch das Diabetesteam.

Kann man Diabetes Typ 2 heilen?

Fachleute sprechen nicht von Heilung, sondern von Remission: Die Werte liegen ohne Medikamente im Normbereich, die Veranlagung bleibt. Regelmäßige Kontrollen bleiben deshalb wichtig, auch wenn die Werte gut sind.

Quellen und Stand

  1. Bundesärztekammer, KBV, AWMF (2023): Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Langfassung, Version 3.0, Kapitel 3.2 und 5.4.1. leitlinien.de
  2. Skurk T, Bosy-Westphal A, Grünerbel A et al. für den Ausschuss Ernährung der DDG (2025): Empfehlungen zur Ernährung von Personen mit Typ-2-Diabetes mellitus. Diabetol Stoffwechs 20:S259–S277. doi:10.1055/a-2592-8207 · PDF bei der DDG
  3. Lean MEJ, Leslie WS, Barnes AC et al. (2018): Primary care-led weight management for remission of type 2 diabetes (DiRECT): an open-label, cluster-randomised trial. Lancet 391:541–551. doi:10.1016/S0140-6736(17)33102-1
  4. Lean MEJ, Leslie WS, Barnes AC et al. (2019): Durability of a primary care-led weight-management intervention for remission of type 2 diabetes: 2-year results of the DiRECT open-label, cluster-randomised trial. Lancet Diabetes Endocrinol 7:344–355. doi:10.1016/S2213-8587(19)30068-3
  5. Knowler WC, Barrett-Connor E, Fowler SE et al. (2002): Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin. N Engl J Med 346:393–403. doi:10.1056/NEJMoa012512
  6. DGE (2024): Positionspapier Alkohol. dge.de
  7. Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS), Version 4.0. doi:10.25826/Data20251217-134202-0, CC BY 4.0

Quellen geprüft bis 03.10.2026.