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Ernährung im Alter: Mangelernährung erkennen und vorbeugen

Von Redaktion kalorien.info · Stand: 03.10.2026 · Prüfstatus: redaktionell geprüft, nicht extern fachlich geprüft (was das heißt)

Kurz gesagt: Im Alter sinkt der Energiebedarf, der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen bleibt aber gleich, und für Eiweiß liegt der Referenzwert sogar höher. Das größere Risiko ist meist nicht zu viel, sondern zu wenig Essen und Trinken. Ungewollter Gewichtsverlust, nachlassender Appetit und Kau- oder Schluckprobleme sind Warnzeichen für eine Mangelernährung, die ärztlich abgeklärt werden sollten.

Gemalter Küchentisch am Fenster mit einem Teller Kartoffelsuppe, einem Glas Wasser, einer Schale Joghurt mit Beeren und einem weichen Brötchen
Illustration · symbolisch, keine Mengenangabe

Auf einen Blick

Orientierungswerte zur Ernährung ab 65 Jahren
ThemaOrientierungQuelle
EnergieRichtwert etwa 30 kcal je kg Körpergewicht und Tag, individuell anzupassenESPEN-Leitlinie Geriatrie
Eiweiß1,0 g je kg Körpergewicht und Tag (Schätzwert ab 65)DGE/ÖGE/SGE
Vitamine, MineralstoffeEmpfehlungen wie für jüngere ErwachseneESPEN-Leitlinie Geriatrie
GetränkeRichtwert 1.310 ml am Tag über GetränkeDGE-Referenzwerte
Früherkennungregelmäßiges Screening auf Mangelernährung, auch bei ÜbergewichtESPEN-Leitlinie Geriatrie

Was ändert sich bei der Ernährung im Alter?

Vor allem die Menge an Energie, die der Körper braucht. Mit den Jahren nimmt die fettfreie Masse, also vor allem die Muskulatur, meist ab, und damit sinkt der Ruheumsatz. Die europäische Fachgesellschaft für klinische Ernährung (ESPEN) nennt in ihrer Leitlinie für die Geriatrie einen Richtwert von etwa 30 kcal je Kilogramm Körpergewicht und Tag, der nach Ernährungszustand, Aktivität, Erkrankungen und Verträglichkeit angepasst werden soll (Volkert et al. 2019, Empfehlung 1). Wer sehr aktiv ist oder untergewichtig, braucht mehr, wer viel sitzt, weniger. Wie der Stoffwechsel sich schon ab der Lebensmitte verändert, erklärt der Artikel Stoffwechsel ab 40.

Der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen sinkt dagegen nicht. Die Leitlinie empfiehlt, sie nach denselben Empfehlungen zuzuführen wie bei jüngeren Erwachsenen, und weist darauf hin, dass bestimmte Magen-Darm-Erkrankungen im Alter die Aufnahme von Vitamin B12, Calcium und Eisen verschlechtern können (Volkert et al. 2019, Empfehlung 4 mit Kommentar). Weniger Energie bei gleichem Nährstoffbedarf heißt: Jeder Bissen sollte möglichst viel liefern.

Beim Eiweiß liegt der Schätzwert für Menschen ab 65 Jahren mit 1,0 g je Kilogramm Körpergewicht höher als für Jüngere mit 0,8 g (Richter et al. 2019). Warum die Fachgesellschaften hier zu unterschiedlichen Zahlen kommen und wie viel Eiweiß bei Muskelschwund sinnvoll ist, steht ausführlich im Artikel Eiweiß ab 65.

Woran erkennst du eine Mangelernährung im Alter?

An einem ungewollten Gewichtsverlust und an Veränderungen im Essverhalten, lange bevor man es dem Menschen ansieht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) nennt auf ihrer Seite für die Pflege unter anderem diese Anzeichen: Mahlzeiten werden abgelehnt oder nicht mehr aufgegessen, der Appetit schwindet, Müdigkeit, Schwäche und Antriebslosigkeit nehmen zu, Kleidung wird weiter, Schmuck sitzt locker, der Gürtel muss enger geschnallt werden, Wangen fallen ein oder es kommt zu Entzündungen im Mund (DGE, Fit im Alter: Ernährungsstatus).

Das Gewicht ist der einfachste Messwert. Die DGE empfiehlt, es regelmäßig zu erfassen und zu notieren, weil kleine Veränderungen im Alltag kaum auffallen und ein schleichender Verlust schnell zum neuen Normalzustand wird. Wasseransammlungen in den Beinen können dabei ein höheres Gewicht vortäuschen.

Wichtig ist: Auch Menschen mit Übergewicht können mangelernährt sein. Die ESPEN-Leitlinie empfiehlt deshalb, alle älteren Menschen unabhängig von ihrer Diagnose und ausdrücklich auch bei Übergewicht routinemäßig mit einem geprüften Fragebogen zu screenen. Als einziges speziell für ältere Menschen entwickeltes Werkzeug nennt sie die Kurzform des Mini Nutritional Assessment (MNA). Sie fragt neben Gewichtsverlust, Body-Mass-Index, gesunkener Essmenge und Erkrankungen auch nach Mobilität und neuropsychologischen Problemen (Volkert et al. 2019, Empfehlung 5 mit Kommentar). Ein solches Screening gehört in die Hausarztpraxis oder die Pflege, nicht in die Selbstdiagnose. Gestellt wird die Diagnose Mangelernährung nach internationalem Konsens erst, wenn ein körperliches Merkmal wie Gewichtsverlust oder geringe Muskelmasse und eine Ursache wie verminderte Nahrungsaufnahme oder eine Erkrankung zusammenkommen (Cederholm et al. 2019).

Warum essen ältere Menschen oft zu wenig?

Weil sich viele kleine Hürden addieren. Die ESPEN-Leitlinie listet als mögliche Ursachen unter anderem Kauprobleme, Schluckstörungen, eingeschränkte Beweglichkeit der Arme oder des ganzen Körpers, nachlassendes Gedächtnis, gedrückte Stimmung und Depression, Einsamkeit, Armut, akute Erkrankungen und Schmerzen, Nebenwirkungen von Medikamenten wie Mundtrockenheit oder Antriebslosigkeit und schließlich strenge Diäten (Volkert et al. 2019, Tabelle 7). Diese Ursachen sollen gezielt gesucht und, wo möglich, behoben werden, etwa durch eine zahnärztliche Behandlung, eine Schluckuntersuchung oder die Überprüfung der Medikamente.

Besonders bemerkenswert ist der Punkt Diäten. Die Leitlinie rät, einschränkende Kostformen im Alter möglichst zu vermeiden, weil sie Auswahl und Genuss einschränken und so die Essmenge senken können (Volkert et al. 2019, Empfehlung 11). Eine salzarme oder cholesterinarme Kost, die vor Jahrzehnten verordnet wurde, verdient deshalb eine neue Besprechung mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt. Gewichtsreduzierende Diäten sollen laut Leitlinie im Alter nur bei Adipositas mit gewichtsbedingten Gesundheitsproblemen erwogen werden, und dann zusammen mit körperlichem Training (Volkert et al. 2019, Zusammenfassung).

Wie viel sollten ältere Menschen trinken?

Die DGE gibt für Menschen ab 65 Jahren einen Richtwert von 1.310 ml am Tag über Getränke an; dazu kommt Wasser aus fester Nahrung (DGE, Referenzwerte Wasser). Die ESPEN-Leitlinie, die sich auf Referenzwerte der EFSA stützt, empfiehlt, älteren Frauen mindestens 1,6 Liter und älteren Männern mindestens 2,0 Liter Getränke am Tag anzubieten, sofern keine Erkrankung eine andere Menge erfordert (Volkert et al. 2019, Empfehlung 61). Der Unterschied erklärt sich aus unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen; beide Werte sind Orientierung, keine Pflichtmenge. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen kann die Ärztin oder der Arzt eine andere Menge festlegen.

Das Durstgefühl lässt im Alter nach, und der Körper enthält weniger Wasser, sodass ein Mangel schneller auftritt. Mögliche Hinweise sind laut DGE Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsprobleme, Verwirrtheit, trockene Schleimhäute, Verstopfung und dunkler Urin (DGE, Fit im Alter). Verlässlich feststellen lässt sich ein Flüssigkeitsmangel so aber nicht: Die ESPEN-Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, ihn an Hautfalten, Mundtrockenheit oder Urinfarbe zu messen, und empfiehlt stattdessen eine Blutuntersuchung (Volkert et al. 2019, Empfehlungen 65 und 68). Praktisch hilft ein fester Rhythmus: ein Glas zu jeder Mahlzeit, eines zu jeder Tablette und eine gefüllte Karaffe in Sichtweite.

Was hilft bei Appetitlosigkeit, Kau- und Schluckproblemen?

Genuss, Gesellschaft und kleine, gehaltvolle Portionen. Die ESPEN-Leitlinie empfiehlt Menschen mit Risiko für Mangelernährung, Mahlzeiten möglichst gemeinsam mit anderen einzunehmen, angereicherte Speisen sowie zusätzliche Zwischenmahlzeiten oder Fingerfood (Volkert et al. 2019, Empfehlungen 14, 20 und 21). Anreichern heißt, Speisen ohne mehr Volumen gehaltvoller zu machen. Die DGE nennt dafür Pflanzenöle wie Raps- oder Walnussöl, Nussmus, pürierte Hülsenfrüchte, Avocado, eingeweichtes Trockenobst sowie Milchprodukte, Käse und Eier (DGE, Fit im Alter: Mangelernährung).

  • Bei Kauproblemen: harte Teile wie Brotrinde vorübergehend weglassen, Kartoffeln statt Reis, feine statt kernige Flocken, Frischkäse statt Hartkäse, Fisch oder Hackfleisch statt faserigem Fleisch, Gemüse weicher garen oder fein raspeln. Die Ursachen, etwa nicht richtig sitzende Prothesen oder Druckstellen, sind laut DGE meist gut behandelbar (DGE, Kaubeschwerden).
  • Bei Schluckstörungen: Die passende Konsistenz legt eine ärztliche Behandlung oder Schlucktherapie fest. Faserige oder krümelige Speisen und Gerichte mit gemischter Konsistenz, etwa Suppe mit Einlage, sind oft schwierig; mehrere kleine Mahlzeiten werden meist besser angenommen als wenige große (DGE, Schluckbeschwerden).
  • Bei kleinem Appetit: lieber mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt als drei große, und Lieblingsspeisen bewusst einplanen. Wie du Portionen realistisch abschätzt, zeigt der Artikel Wie viel ist eine Portion?

Wann sollte eine Ärztin oder ein Arzt hinzugezogen werden?

Immer dann, wenn das Gewicht ohne Absicht sinkt, der Appetit über Wochen nachlässt, Essen oder Schlucken Probleme bereitet oder Zeichen von Flüssigkeitsmangel wie Verwirrtheit auftreten. Die ESPEN-Leitlinie sieht nach einem auffälligen Screening eine gründliche Untersuchung, eine individuelle Behandlung und regelmäßige Kontrollen vor (Volkert et al. 2019, Empfehlung 6). In Pflegeeinrichtungen soll der Ernährungszustand nach dem pflegerischen Expertenstandard beim Einzug und danach regelmäßig, etwa alle drei Monate, erfasst werden (DGE, Fit im Alter).

Für den Arztbesuch hilft es, Gewicht, Essmengen und Trinkmengen einige Tage zu notieren. Je genauer die Angaben, desto gezielter kann nach Ursachen gesucht werden, von der Zahnprothese über Medikamente bis zur Stimmung. Bei Bedarf kommen Ernährungsfachkräfte, Logopädie oder Ergotherapie dazu.

Häufige Fragen

Was sind die ersten Symptome einer Mangelernährung im Alter?

Häufig fallen zuerst ein sinkendes Gewicht, weiter werdende Kleidung, nachlassender Appetit, Müdigkeit und Schwäche auf. Weil sich das schleichend entwickelt, hilft regelmäßiges Wiegen. Eine Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt.

Was tun bei Appetitlosigkeit im Alter?

Zuerst nach der Ursache suchen lassen, etwa Zahnprobleme, Medikamente, Schmerzen oder gedrückte Stimmung. Im Alltag helfen kleine, gehaltvolle Mahlzeiten, Lieblingsspeisen, gemeinsames Essen und angereicherte Gerichte, zum Beispiel mit Rapsöl oder Nussmus.

Wie viele Kalorien braucht man ab 70?

Das hängt stark von Gewicht, Muskelmasse und Aktivität ab. Die ESPEN-Leitlinie nennt als groben Richtwert etwa 30 kcal je Kilogramm Körpergewicht und Tag, der individuell angepasst wird. Eine persönliche Schätzung liefert der Kalorienbedarfsrechner, als Bereich, nicht als Zielwert.

Sollten ältere Menschen Nahrungsergänzungsmittel nehmen?

Nicht pauschal. Bei nachgewiesenem Mangel, etwa an Vitamin B12 oder Vitamin D, kann ein Präparat sinnvoll sein; das entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach einer Untersuchung. Einen Überblick gibt der Artikel zu Vitamin D als Nahrungsergänzung.

Quellen und Stand

  1. Volkert D et al. (2019): ESPEN guideline on clinical nutrition and hydration in geriatrics. Clin Nutr 38:10–47, Zusammenfassung, Empfehlungen 1, 4, 5, 6, 11, 14, 20, 21, 61, 65, 68 und Tabelle 7 (akzeptiertes Manuskript). doi:10.1016/j.clnu.2018.05.024
  2. Richter M et al. (2019): Revised Reference Values for the Intake of Protein. Ann Nutr Metab 74:242–250. doi:10.1159/000499374
  3. Cederholm T et al. (2019): GLIM criteria for the diagnosis of malnutrition – A consensus report from the global clinical nutrition community. Clin Nutr 38:1–9. doi:10.1016/j.clnu.2018.08.002
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Wasser. Abgerufen 03.10.2026. dge.de
  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Fit im Alter: Ernährungszustand beobachten. Abgerufen 03.10.2026. fitimalter-dge.de
  6. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Fit im Alter: Mangelernährung, Kaubeschwerden, Schluckbeschwerden. Abgerufen 03.10.2026. fitimalter-dge.de

Quellen geprüft bis 03.10.2026.