Lebensmittel & Nährwerte
Glutamat in Lebensmitteln: natürlich enthalten und als Zusatzstoff
Kurz gesagt: Glutaminsäure steckt natürlicherweise in allen eiweißreichen Lebensmitteln, am meisten im BLS in Parmesan (8,1 g je 100 g), Schnittkäse, Sojabohnen und Kürbiskernen. Als Zusatzstoff (E 620 bis E 625) steht Glutamat in der Zutatenliste. Für die Zusatzstoffe gilt eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge (ADI) von 30 mg je kg Körpergewicht und Tag.

Wo kommt Glutaminsäure natürlicherweise in Lebensmitteln vor?
Glutaminsäure ist eine der 20 Aminosäuren, aus denen Eiweiß aufgebaut ist; der Körper kann sie selbst herstellen, sie zählt nicht zu den unentbehrlichen Aminosäuren (DGE). Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Glutaminsäure als Bestandteil von Proteinen sowie in freier Form natürlicherweise in Lebensmitteln vorkommt; vergleichsweise hohe Gehalte wurden zum Beispiel für verschiedene Käsesorten berichtet (BfR).
Der Bundeslebensmittelschlüssel (BLS 4.0) führt den Gesamtgehalt an Glutaminsäure einschließlich Glutamin, ohne zwischen gebundener und freier Form zu trennen. Parmesan hat darin 8,1 g je 100 g, Schnittkäse mit mindestens 20 Prozent Fett i. Tr. 7,9 g, Gouda 7,0 g, Cheddar 6,3 g, Emmentaler 5,5 g und Roquefort 4,8 g. Wegen der Portionsgrößen liefert eine Scheibe Gouda (30 g) 2,1 g, ein Schälchen Magerquark (150 g) 4,1 g und ein Glas Vollmilch 1,4 g. Mehr zu Käse: Käse und Parmesan.
| Lebensmittel | Glutaminsäure (g) je 100 g | Eiweiß (g) je 100 g | kcal je 100 g | Portion (Annahme) | Glutaminsäure (g) je Portion |
|---|---|---|---|---|---|
| Parmesan | 8,10 | 35,6 | 391 | 1 Esslöffel gerieben (10 g) | 0,81 |
| Schnittkäse, mind. 20 % Fett i. Tr. | 7,86 | 33,8 | 242 | 1 Scheibe (30 g) | 2,36 |
| Gouda, mind. 30 % Fett i. Tr. | 7,03 | 29,6 | 266 | 1 Scheibe (30 g) | 2,11 |
| Chester (Cheddar), mind. 45 % Fett i. Tr. | 6,30 | 26,6 | 370 | 1 Scheibe (30 g) | 1,89 |
| Emmentaler, mind. 45 % Fett i. Tr. | 5,51 | 27,5 | 374 | 1 Scheibe (30 g) | 1,65 |
| Roquefort | 4,76 | 21,5 | 363 | 1 Stück (30 g) | 1,43 |
| Magerquark | 2,76 | 11,9 | 66 | 1 Schälchen (150 g) | 4,14 |
| Vollmilch, 3,5 % Fett | 0,72 | 3,6 | 62 | 1 Glas (200 g) | 1,44 |
Welche Fleisch-, Fisch- und Pflanzenprodukte enthalten viel Glutaminsäure?
Wo viel Eiweiß ist, ist meist auch viel Glutaminsäure. Bei Fleisch und Fisch liegen Kochschinken mit 4,4 g, Rohschinken mit 4,2 g und Rinderfilet mit 4,0 g je 100 g vorn; Lachs hat 2,8 g, ein gekochtes Ei 1,7 g. Eine Portion Rinderfilet (150 g) bringt es auf 6,0 g, ein Hähnchenbrustfilet auf 4,9 g. Mehr zu den Lebensmittelgruppen: Fleischsorten, Fisch und Eier.
| Lebensmittel | Glutaminsäure (g) je 100 g | Eiweiß (g) je 100 g | kcal je 100 g | Portion (Annahme) | Glutaminsäure (g) je Portion |
|---|---|---|---|---|---|
| Schwein Kochschinken | 4,42 | 22,5 | 130 | 1 Scheibe (20 g) | 0,88 |
| Schwein Rohschinken, mager | 4,18 | 28,5 | 138 | 1 Scheibe (20 g) | 0,84 |
| Rind Filet, roh | 4,00 | 21,2 | 121 | 1 Steak (150 g) | 6,00 |
| Schweinefilet, roh | 3,88 | 22,8 | 118 | 1 Stück (150 g) | 5,82 |
| Hähnchenbrustfilet, roh | 3,29 | 23,3 | 109 | 1 Filet (150 g) | 4,93 |
| Köhler/Seelachs, roh | 2,96 | 19,3 | 99 | 1 Filet (150 g) | 4,44 |
| Lachs, roh | 2,79 | 19,9 | 180 | 1 Filet (150 g) | 4,19 |
| Hühnerei, gekocht | 1,68 | 14,1 | 144 | 1 Ei (60 g) | 1,01 |
Unter den pflanzlichen Lebensmitteln stehen Kürbiskerne (7,8 g) und reife Sojabohnen (6,5 g) an der Spitze, danach Nudeln aus Hartweizen (4,0 g roh), Haferflocken (3,1 g) und Tofu (3,1 g). Gemüse enthält deutlich weniger: Erbsen 0,71 g, Tomaten 0,34 g je 100 g. Reife Tomaten werden oft mit Glutamat verbunden; die Gesamtmenge an Glutaminsäure ist im BLS aber klein, die Wirkung auf den Geschmack hängt am freien Anteil, den der BLS nicht gesondert ausweist. Weiteres zu Pflanzenkost: Hülsenfrüchte, Tofu und Pilze.
| Lebensmittel | Glutaminsäure (g) je 100 g | Eiweiß (g) je 100 g | kcal je 100 g | Portion (Annahme) | Glutaminsäure (g) je Portion |
|---|---|---|---|---|---|
| Kürbiskerne | 7,84 | 35,5 | 588 | 1 Handvoll (25 g) | 1,96 |
| Sojabohne, reif, roh | 6,49 | 38,2 | 388 | 1 Portion roh (60 g) | 3,89 |
| Teigwaren eifrei, roh | 4,00 | 12,4 | 346 | 1 Portion roh (80 g) | 3,20 |
| Nori-Blatt, geröstet | 3,69 | 38,3 | 261 | 1 Blatt (3 g) | 0,11 |
| Haferflocken | 3,08 | 13,2 | 348 | 1 Portion (60 g) | 1,85 |
| Tofu | 3,06 | 15,5 | 115 | 1 Portion (125 g) | 3,83 |
| Weizenvollkornbrot | 2,38 | 7,6 | 180 | 1 Scheibe (50 g) | 1,19 |
| Mais, roh | 1,75 | 8,7 | 336 | 1 Portion (60 g) | 1,05 |
| Erbse, grün, roh | 0,71 | 5,9 | 88 | 1 Portion (100 g) | 0,71 |
| Tomate, roh | 0,34 | 1,0 | 22 | 1 Tomate (100 g) | 0,34 |
Was sind Glutamat-Zusatzstoffe, und wie erkenne ich sie?
Als „Glutamat“ bezeichnet das BfR die Glutaminsäure (E 620) und ihre Salze: Mononatriumglutamat (E 621), Monokaliumglutamat (E 622), Calciumdiglutamat (E 623), Monoammoniumglutamat (E 624) und Magnesiumdiglutamat (E 625). Sie verleihen Speisen einen herzhafteren und intensiveren Geschmack und sind EU-weit zugelassen (BfR). Die Verbraucherzentrale ordnet Geschmacksverstärker den Nummern E 620 bis E 650 zu (Verbraucherzentrale). Das BZfE zählt Natriumglutamat (E 621) zu den Zusatzstoffen, die in Fertigprodukten, Tütensuppen und salzigem Knabbergebäck eingesetzt werden; es wird mit Hilfe von Bakterien hergestellt (BZfE).
In der Zutatenliste stehen Zusatzstoffe mit dem Klassennamen für ihre Funktion und dem chemischen Namen oder der E-Nummer, zum Beispiel „Geschmacksverstärker: Mononatriumglutamat“. Bei der Werbung „ohne Geschmacksverstärker“ lohnt der Blick in die Zutatenliste, denn oft ist zwar kein Geschmacksverstärker mit E-Nummer enthalten, dafür aber Hefeextrakt, der ebenfalls geschmacksverstärkend wirkt (Verbraucherzentrale). Bei loser Ware, etwa im Restaurant oder an der Theke, reicht ein Aushang mit der Angabe „mit Geschmacksverstärker“ (Verbraucherzentrale).
Im BLS tauchen einige Würzmittel mit hohem Glutaminsäuregehalt auf. Getrocknete Backhefe hat 6,5 g je 100 g, Brühwürfel und Brühpulver 2,0 g, Miso 1,9 g, Sojasauce 1,4 g und Tomatenmark 1,2 g. Brühwürfel und Sojasauce sind zugleich salzreich: 51,7 g und 11,5 g Salz je 100 g, ein Teelöffel Brühpulver (5 g) enthält 2,6 g Salz. Dazu: Gewürze und Saucen.
| Lebensmittel | Glutaminsäure (g) je 100 g | Salz (g) je 100 g | kcal je 100 g | Portion (Annahme) | Glutaminsäure (g) je Portion | Salz (g) je Portion |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Backhefe, getrocknet | 6,47 | 0,13 | 334 | 1 Teelöffel (3 g) | 0,19 | 0,00 |
| Bouillon/Brühe (Brühwürfel, Pulver) | 2,04 | 51,73 | 195 | 1 Teelöffel (5 g) | 0,10 | 2,59 |
| Miso/Sojabohnenpaste | 1,92 | 10,75 | 174 | 1 Esslöffel (15 g) | 0,29 | 1,61 |
| Sojasauce | 1,38 | 11,53 | 66 | 1 Esslöffel (15 g) | 0,21 | 1,73 |
| Tomatenmark | 1,20 | 0,80 | 81 | 1 Esslöffel (20 g) | 0,24 | 0,16 |
| Tomatenketchup | 0,57 | 1,90 | 98 | 1 Esslöffel (20 g) | 0,11 | 0,38 |
Wie viel Glutamat ist unbedenklich, und wie hoch ist der ADI?
Die EFSA hat 2017 für Glutaminsäure und Glutamate (E 620 bis E 625) einen Gruppen-ADI (akzeptable tägliche Aufnahmemenge) von 30 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag abgeleitet, ausgedrückt als Glutaminsäure (BfR, BZfE). Bei 70 kg Körpergewicht sind das 2,1 g am Tag. Der Wert wurde aus Tierstudien abgeleitet, weil die Humandaten keine Dosis-Wirkungs-Beziehung erlaubten.
Die Expositionsschätzung der EFSA zeigt: Bei mittleren Verzehrmengen von Lebensmitteln, die natürlich vorkommende oder zugesetzte Glutaminsäure sowie Glutamate als Zusatzstoffe enthalten, können alle Altersgruppen außer Personen ab 65 Jahren den ADI überschreiten, bei hohen Verzehrmengen alle Altersgruppen. Die EFSA weist darauf hin, dass weitere Daten zu den Quellen nötig sind. Klinische Berichte beschreiben bei empfindlichen Menschen Beschwerden wie ein brennendes Gefühl im Nacken, Brustschmerzen, Übelkeit, Herzklopfen und Schwäche (MSG-Symptomkomplex) ab 42,9 mg je Kilogramm Körpergewicht und Tag. In hohen Dosen kann Glutamat bei empfindlichen Personen Schwäche, Übelkeit, Kopfschmerzen und Bluthochdruck hervorrufen (BZfE).
Eignet sich Glutamat als Ersatz für Kochsalz?
Das BfR rät weiterhin davon ab, Glutamat als Ersatz für Kochsalz zu nutzen, auch wenn die Verwendung in Kochsalzersatz nach EU-Recht (Verordnung (EG) Nr. 1333/2008) zulässig ist. Für Salz und Natrium gilt der Orientierungswert von höchstens 6 g Speisesalz am Tag (DGE); wie sich der Salzverbrauch senken lässt, steht im Artikel Salz. Glutamat verstärkt den herzhaften Geschmack; ein Würzmittel mit hohem Salzgehalt (Brühwürfel, Sojasauce) bleibt trotzdem ein Salzträger.
Häufige Fragen
In welchen Lebensmitteln steckt von Natur aus Glutamat?
Glutaminsäure ist in allen eiweißreichen Lebensmitteln enthalten. Im BLS liegen Parmesan mit 8,1 g, Schnittkäse, Sojabohnen und Kürbiskerne vorn, die das BfR für Käse ausdrücklich erwähnt.
Ist Glutamat gesundheitsschädlich?
Für die Zusatzstoffe E 620 bis E 625 gilt ein ADI von 30 mg je kg Körpergewicht und Tag. Empfindliche Menschen können nach höheren Mengen Beschwerden bekommen. Die natürliche Glutaminsäure im Eiweiß ist kein Grund, solche Lebensmittel zu meiden.
Welche E-Nummern stehen für Glutamat?
E 620 (Glutaminsäure) und E 621 bis E 625 (Natrium-, Kalium-, Calcium-, Ammonium- und Magnesiumglutamat).
Ist Hefeextrakt dasselbe wie Glutamat?
Nein, aber die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Hefeextrakt ebenfalls geschmacksverstärkend wirkt und ohne E-Nummer in der Zutatenliste steht.
Wie erkenne ich Glutamat auf der Verpackung?
In der Zutatenliste als „Geschmacksverstärker“ mit Name oder E-Nummer; bei loser Ware am Aushang mit der Angabe „mit Geschmacksverstärker“.
Enthalten Tomaten und Pilze viel Glutamat?
Im BLS ist die Gesamtmenge an Glutaminsäure in Tomaten mit 0,34 g je 100 g klein; der für den Geschmack wichtige freie Anteil wird dort nicht gesondert angegeben.
Quellen und Stand
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Glutaminsäure und Glutamate (E 620–E 625): Gesundheitliche Bewertung der Verwendung als Lebensmittelzusatzstoffe. Mitteilung Nr. 013/2023 vom 24.03.2023 (abgerufen 01.11.2026). bfr.bund.de
- Bundeszentrum für Ernährung (BZfE): Mikrobe des Jahres produziert Geschmacksstoff, 2025 (abgerufen 01.11.2026). bzfe.de
- Verbraucherzentrale: Convenience Food – Inhaltsstoffe und Lebensmittelkennzeichnung (abgerufen 01.11.2026). verbraucherzentrale.de; Zusatzstoffe in Lebensmitteln erkennen und einordnen (abgerufen 01.11.2026). verbraucherzentrale.de
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ausgewählte Fragen und Antworten zu Protein und unentbehrlichen Aminosäuren (abgerufen 01.11.2026). dge.de; DGE aktualisiert die Referenzwerte für Natrium, Chlorid und Kalium, 2017. dge.de
Nährwerte: Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS), Version 4.0 – Deutsche Nährstoffdatenbank. Karlsruhe. DOI 10.25826/Data20251217-134202-0, Lizenz CC BY 4.0. Einordnungen und Umrechnungen: eigene Berechnungen von kalorien.info.
Quellen geprüft bis 01.11.2026.