Lebensmittel & Nährwerte
Nutri-Score erklärt: was A bis E bedeuten – und was nicht
Kurz gesagt: Der Nutri-Score ist eine freiwillige Kennzeichnung auf der Packungsvorderseite. Er verrechnet Energie, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz mit Ballaststoffen, Eiweiß und dem Anteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten zu einer Note von A bis E. Er hilft beim Vergleich ähnlicher Produkte; über den Gesundheitswert eines Lebensmittels sagt er nichts.

Auf einen Blick
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Pflicht? | Nein, in Deutschland freiwillig (seit 2020) |
| Skala | fünf Stufen von A (dunkelgrün) bis E (rot) |
| Bezug | je 100 g bzw. 100 ml |
| Was zählt negativ? | Energie, Zucker, gesättigte Fettsäuren, Salz |
| Was zählt positiv? | Ballaststoffe, Eiweiß, Anteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten |
| Aktueller Algorithmus | überarbeitet seit 2024, in Deutschland seit 1. Januar 2026 ausschließlich |
| Sinnvoller Einsatz | Produkte derselben Gruppe vergleichen |
Was bedeuten die Buchstaben A bis E?
Sie zeigen, wie günstig die Nährstoffzusammensetzung eines Produkts im Vergleich zu ähnlichen Produkten ist. Das dunkelgrüne A steht für eine eher günstige, das rote E für eine eher ungünstige Zusammensetzung. Dazwischen liegen B, C und D. So beschreibt es das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH, Themenseite Nutri-Score).
Wichtig ist das Wort „Vergleich“. Ein C bei Frühstücksflocken und ein C bei Tiefkühlpizza bedeuten nicht dasselbe, und ein A macht ein Lebensmittel nicht zur Basis einer guten Ernährung. Das Ministerium formuliert es selbst so: Der Nutri-Score trifft grundsätzlich keine Aussage zum Gesundheitswert eines Lebensmittels oder dazu, welche Lebensmittelgruppen man hauptsächlich essen sollte. Dafür verweist es auf die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).
Wie wird der Nutri-Score berechnet?
Mit einem Punktesystem je 100 g oder 100 ml. Ungünstig gewertet werden der Energiegehalt sowie Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz. Günstig gewertet werden Ballaststoffe, Eiweiß und der Anteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten. Die Punkte werden gegeneinander verrechnet, das Ergebnis landet auf der Skala von A bis E. Die nötigen Angaben stammen zum größten Teil aus der Nährwerttabelle und der Zutatenliste, die ohnehin auf der Packung stehen.
Entwickelt wurde das System von einer Forschungsgruppe an einer Pariser Universität. Es baut auf einem Modell der britischen Lebensmittelbehörde auf, das ursprünglich dazu diente, Werbung für ungünstig zusammengesetzte Lebensmittel an Kinder einzuschränken. Ein wissenschaftliches Gremium der beteiligten Länder entwickelt den Algorithmus weiter (BMLEH, Fragen und Antworten).
Wofür taugt der Nutri-Score – und wofür nicht?
Er taugt für den schnellen Vergleich im Regal: Welcher von zwei Joghurts, welches von drei Müslis, welche Tiefkühlpizza ist günstiger zusammengesetzt? Das Ministerium nennt drei sinnvolle Situationen: gleiche Produkte verschiedener Hersteller, ähnliche Produkte derselben Gruppe – etwa Früchtemüsli gegen Schokomüsli – und Produkte, die für denselben Anlass infrage kommen, zum Beispiel zwei Desserts.
Er taugt nicht für Vergleiche über Gruppen hinweg. Orangensaft gegen Brot zu stellen, ergibt keinen Sinn, weil man das eine nicht statt des anderen kauft. Er taugt auch nicht als Speiseplan: Wer sich nur von Produkten mit A ernährt, isst deshalb noch lange nicht ausgewogen, betont das Ministerium. Und er erfasst nicht alles. Wie stark ein Produkt verarbeitet ist, fließt nicht ein; Kritiker bemängeln das ebenso wie den starren Bezug auf 100 g, der übliche Verzehrmengen ignoriert (Demarquoy 2026).
Ein praktischer Weg, beides zu verbinden: zuerst nach den allgemeinen Empfehlungen entscheiden, was auf den Teller kommt – Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte und so weiter –, und erst innerhalb einer Gruppe mit Nährwerttabelle und Nutri-Score das günstigere Produkt wählen. Wie die Nährwerttabelle selbst zu lesen ist, zeigt der Artikel Nährwertangaben verstehen; wie die Empfehlungen in den Alltag passen, der Beitrag Gesund essen ohne Regelwerk.
Zeigt die Forschung, dass er etwas bringt?
Für die Frage, ob die Kennzeichnung im Laden die Gesundheit verbessert, gibt es keine direkten Belege. Was es gibt, sind Beobachtungsstudien zu dem Bewertungsmodell, das hinter dem Nutri-Score steht.
Warum zeigt kalorien.info keinen Nutri-Score?
Aus vier Gründen, die mit dem Nutri-Score selbst wenig zu tun haben, aber viel mit dem, was wir zeigen wollen.
- Markenrecht: Der Nutri-Score ist eine eingetragene Marke von Santé publique France. Das Logo darf nur nach Registrierung und gemäß den Nutzungsbedingungen verwendet werden; für den deutschen Markt ist RAL zuständig (Santé publique France). Für Herausgeber von Websites und Apps sehen die Bedingungen eine eigene Anfrage vor. Deshalb zeigen wir auch in diesem Artikel kein Logo.
- Gesamtnote: Wir möchten jeden Wert einzeln zeigen, statt alles zu einer Note zu verrechnen. Eine Gesamtnote verdeckt, ob ein Produkt wegen Zucker, Salz oder Fett abrutscht.
- Fehlende Daten: Für die Berechnung braucht man den Anteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten. Den liefert unsere Datenbasis, der Bundeslebensmittelschlüssel, nicht.
- Produkte statt Lebensmittel: Der Nutri-Score ist für verpackte Markenprodukte gedacht. Unsere Lebensmittelseiten beschreiben allgemeine Lebensmittel wie „Haferflocken“ oder „Linsen, gekocht“.
Stattdessen zeigen wir den Nährwert-Kompass: vier Einzelwerte mit niedrig, mittel oder hoch, dazu Plus-Merkmale für Eiweiß und Ballaststoffe. Er ist ehrlicher, wo es um einzelne Nährstoffe geht – und ebenfalls kein Gesundheitssiegel.
Häufige Fragen
Ist der Nutri-Score Pflicht?
Nein. Unternehmen entscheiden freiwillig, ob sie ihn nutzen. Wer sich dafür entscheidet, verpflichtet sich laut Ministerium, alle Produkte der registrierten Marke damit zu kennzeichnen.
Darf ich Lebensmittel mit E überhaupt noch essen?
Natürlich. Auch das Ministerium schreibt, dass ungünstig bewertete Lebensmittel Teil einer ausgewogenen Ernährung sein können – nur sollten sie nicht die Basis bilden.
Gibt es den Nutri-Score auch auf Wein oder Bier?
Nein. Getränke mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol sind ausgenommen, ebenso etwa Säuglingsnahrung und bestimmte Speziallebensmittel.
Warum hat meine Light-Limonade kein A mehr?
Seit der Überarbeitung bekommen Getränke mit Süßstoffen Minuspunkte. So sollen Lightgetränke nicht mehr als die ideale Wahl erscheinen.
Was ist der Unterschied zum Nährwert-Kompass?
Der Nutri-Score fasst alles in einer Note zusammen und ist für Markenprodukte gedacht. Der Nährwert-Kompass zeigt Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz einzeln und ohne Gesamturteil.
Quellen und Stand
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (2026): Nutri-Score – Themenseite, Fragen und Antworten für Verbraucherinnen und Verbraucher, Weiterentwicklung des Nutri-Score (Stand 09.03.2026). bmleh.de
- Scientific Committee of the Nutri-Score (2023): Update of the Nutri-Score algorithm for beverages. Second update report, V2. bmleh.de
- Santé publique France: Nutri-Score (Seite mit Nutzungsbedingungen und Registrierung), abgerufen 01.10.2026. santepubliquefrance.fr
- Deschasaux-Tanguy M et al. (2024): Nutritional quality of diet characterized by the Nutri-Score profiling system and cardiovascular disease risk: a prospective study in 7 European countries. Lancet Reg Health Eur. doi:10.1016/j.lanepe.2024.101006
- Khoury N et al. (2026): Mortality risk in relation to diet quality assessed by the 2023 nutri-score nutrient profiling model. Eur J Nutr. doi:10.1007/s00394-026-03946-4
- Demarquoy J (2026): Beyond Nutrient Profiling: Strengths, Limitations, and Emerging Challenges for Nutri-Score and Related Front-of-Pack Labeling Systems. Nutrients 18:2422. doi:10.3390/nu18152422
Quellen geprüft bis 01.10.2026. Nutri-Score ist eine eingetragene Marke von Santé publique France; kalorien.info verwendet weder das Logo noch berechnet es Nutri-Score-Werte.