Zum Inhalt springen
kalorien.info

Nahrungsergänzungsmittel

Jod als Nahrungsergänzung: Jodsalz, Jodtabletten und die Schilddrüse

Von Redaktion kalorien.info · Stand: 01.10.2026 · Prüfstatus: redaktionell geprüft, nicht extern fachlich geprüft (was das heißt)

Kurz gesagt: Jod ist ein Spurenelement, das die Schilddrüse für ihre Hormone braucht, und in Deutschland eher knapp. Für die Allgemeinheit empfehlen Fachstellen Jodsalz und Seefisch statt Tabletten. In Schwangerschaft und Stillzeit rät die DGE zusätzlich zu einem Jodpräparat nach ärztlicher Absprache; bei Schilddrüsenerkrankungen gehört jede Jodergänzung vorher in die Arztpraxis.

Gemalter Fischstand mit Kabeljau und Seelachs auf Eis, daneben ein Keramikschälchen mit grobem Salz und eine Milchkanne
Illustration · symbolisch, keine Mengenangabe

Auf einen Blick

Jod: die wichtigsten Fakten
FrageAntwort
Referenzwert (DGE, Stand 2025)Erwachsene 150 µg; Schwangere 220 µg; Stillende 230 µg am Tag
Angemessene Zufuhr (EFSA)150 µg am Tag für Erwachsene
Risiko zu geringer Zufuhr (RKI-Daten)32 Prozent der Erwachsenen, 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen
Wichtigste Quellenjodiertes Speisesalz, Seefisch, Milch und Milchprodukte, Eier
Höchstmengenvorschlag des BfR für ein NEM100 µg je Tagesverzehrempfehlung; für Schwangere und Stillende 150 µg (Stand 2021)
Tolerierbare Obergrenze (SCF/EFSA)600 µg am Tag aus allen Quellen (Erwachsene)

Referenzwerte und Höchstmengen sind Bezugsgrößen mit Stelle und Stand. Diese Seite behandelt Jod als Nährstoff, nicht Tabletten für den radiologischen Notfall.

Wie gut ist Deutschland mit Jod versorgt?

Nicht gut, und mit fallender Tendenz. Nach Daten des Robert Koch-Instituts haben 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein Risiko für eine zu geringe Jodzufuhr; die DGE spricht von einem rückläufigen Trend (DGE, Referenzwerte Jod). Eine längere Unterversorgung kann zu Funktionsstörungen der Schilddrüse führen; in Schwangerschaft, Säuglings- und Kleinkindalter kann ein Mangel die körperliche und geistige Entwicklung beeinträchtigen.

Der Grund liegt weniger an den Menschen als an der Küche der Industrie. Jodsalz ist in Deutschland freiwillig, und immer weniger Fertigprodukte enthalten es. Im Produktmonitoring 2023 steckte Jodsalz nur noch in 9,8 Prozent der untersuchten verpackten Brote und Brötchen, in 35,5 Prozent der Wurstwaren und in 14,8 Prozent weiterer Fleischerzeugnisse, jeweils weniger als drei Jahre zuvor; Bio-Produkte enthielten fast nie Jodsalz (Max Rubner-Institut 2024). Wer zu Hause jodfreies Salz verwendet und viel Brot und Wurst aus dem Supermarkt isst, bekommt also oft weniger Jod, als er vermutet.

Am deutlichsten zeigt sich die Lücke bei veganer Kost. Eine Berliner Untersuchung maß bei 31 Prozent der Teilnehmenden, die sich vegan ernährten, eine Jodmenge im Urin, die nach WHO-Maßstab einem schweren Mangel entspricht. Eine Auswertung vieler Studien fand für vegan lebende Gruppen durchweg Werte unterhalb des Zielbereichs (Weikert et al. 2020; Eveleigh et al. 2023). Pflanzendrinks ohne Jodzusatz und unjodiertes Salz in Fertigware nennt die WHO Europa als Treiber dieses Risikos (WHO Europa 2024). Mehr zu pflanzlicher Kost steht im Artikel vegane Ernährung.

Wer braucht Jodtabletten – und wer nicht?

Die meisten Erwachsenen brauchen keine. DGE, Bundesernährungsministerium, Fachleute aus BfR und BVL und die WHO setzen für die Allgemeinheit auf jodiertes Speisesalz und jodreiche Lebensmittel; Jodpräparate empfehlen sie für die breite Bevölkerung nicht (BMLEH 2026; Bendadani et al. 2025).

Die Ausnahme ist die Zeit von Schwangerschaft und Stillzeit. Hier steigt der Bedarf deutlich, und die DGE nennt zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit Jodsalz ein Jodpräparat: für Schwangere 100 bis 150 µg am Tag, für Stillende 100 µg. Bei Schilddrüsenerkrankungen soll vor einer solchen Ergänzung ärztlich Rücksprache gehalten werden (DGE). Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt die Ergänzung ebenfalls nach ärztlicher Absprache (Alaze-Hagemann et al. 2026). Für Säuglinge, die ausschließlich selbst zubereitete Breie bekommen, nennt die DGE eine eigene Ergänzung – auch das ist ein Thema für die Kinderarztpraxis.

Warum Jodsalz statt Tabletten?

Weil Jodsalz die Versorgung deutlich verbessert, ohne dass man mehr Salz essen muss, und weil es ohne Dosierfehler funktioniert. In der Nationalen Verzehrsstudie lag die rechnerische Jodzufuhr ohne Jodsalz deutlich unter dem Referenzwert, mit Jodsalz darüber. Rechnerisch steckt nach BLS 4.0 in einem Gramm jodiertem Speisesalz gut 20 µg Jod (R114000). „Weniger Salz“ und „genug Jod“ widersprechen sich deshalb nicht – vorausgesetzt, das Salz, das man verwendet, ist jodiert. Die WHO Europa fordert, Salzreduktion und Salzjodierung gemeinsam voranzutreiben.

Jod in ausgewählten Lebensmitteln (eigene Rechnung aus BLS 4.0)
Lebensmittel, MengeJod
Kabeljau pochiert, 120 g (Y622112)236 µg
Seelachsfilet gedünstet, 120 g (Y623612)60 µg
Hühnerei, 60 g (E111100)26 µg
Jodsalz, 1 g (R114000)20 µg
Gouda, 30 g (M402600)4 µg

Eine Portion Kabeljau deckt rechnerisch mehr als den Tagesreferenzwert. Wer ein- bis zweimal pro Woche Seefisch isst, Milchprodukte einplant und zu Hause Jodsalz verwendet, kommt der Empfehlung deutlich näher. Weitere Werte, auch für Milch und Joghurt, stehen in der Übersicht Mineralstoffe; wie man Salz insgesamt im Blick behält, erklärt der Artikel Nährwertangaben verstehen.

Was darf auf der Packung stehen?

Für Jod sind unter anderem diese Angaben zugelassen, wörtlich:

  • Zugelassene Angabe (EU-Register, VO (EU) Nr. 432/2012): „Jod trägt zu einer normalen Produktion von Schilddrüsenhormonen und zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei“
  • Zugelassene Angabe (EU-Register, VO (EU) Nr. 432/2012): „Jod trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei“
  • Zugelassene Angabe (EU-Register, VO (EU) Nr. 432/2012): „Jod trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“

Quelle: VO (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung vom 17.05.2021. Die Angaben beschreiben die Rolle von Jod im Körper. Ein „Turbo“ für Stoffwechsel oder Konzentration bei ausreichender Versorgung ist daraus nicht abzuleiten.

Kann zu viel Jod schaden?

Ja, vor allem bei Schilddrüsenerkrankungen und in hohen Mengen über Präparate. Für die dauerhafte Gesamtzufuhr bei Erwachsenen gilt eine tolerierbare Obergrenze von 600 µg am Tag (EFSA 2025). Das BfR schlägt für ein Nahrungsergänzungsmittel höchstens 100 µg je empfohlener Tagesmenge vor, für Produkte, die sich an Schwangere und Stillende richten, 150 µg. Für Jodsalz hält es bis 2.500 µg je 100 g für angemessen und erwartet auch bei 3.000 µg je 100 g keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen (BfR 2025).

Mehr dazu im Buch: Das Kapitel „Vitamine und Mineralstoffe“ in „Gut essen. Klar entscheiden.“ erklärt, warum Jod in Deutschland zu den knappen Nährstoffen zählt.

Häufige Fragen

Soll ich Jodtabletten nehmen, wenn ich keinen Fisch esse?

Für die Allgemeinheit setzen die Fachstellen auf Jodsalz und Milchprodukte, nicht auf Tabletten. Wer keinen Fisch isst, achtet umso mehr auf jodiertes Speisesalz. Bei veganer Ernährung, Schwangerschaft oder Schilddrüsenerkrankungen klärst du die Jodversorgung ärztlich.

Ist Meersalz eine gute Jodquelle?

Entscheidend ist, ob auf der Packung „jodiert“ steht. Nicht jodiertes Speisesalz enthält laut BLS 4.0 nur sehr wenig Jod; jodiertes Salz liefert ein Vielfaches davon.

Brauchen Stillende Jodtabletten?

Die DGE nennt für die Stillzeit zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit Jodsalz ein Jodpräparat. Ob und in welcher Form, besprichst du mit Frauenarztpraxis oder Hebamme, vor allem bei Schilddrüsenerkrankungen.

Liefern Pflanzendrinks Jod?

Viele nicht. Die WHO Europa nennt jodfreie Pflanzendrinks ausdrücklich als einen Grund für die sinkende Jodversorgung in Europa. Ob ein Produkt angereichert ist, steht auf der Zutatenliste.

Quellen und Stand

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2026): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Jod (Stand der Ableitung 2025, Fußnoten a bis c; Abschnitt Jodversorgung in Deutschland). dge.de
  2. EFSA (2017): Dietary reference values for nutrients: Summary report, Abschnitt Jod. doi:10.2903/sp.efsa.2017.e15121
  3. Gréa C et al., Max Rubner-Institut (2024): Ergänzende Auswertungen zum Produktmonitoring 2023: Verwendung von Jodsalz in Brot und Kleingebäck, Wurstwaren und weiteren Fleischerzeugnissen. doi:10.25826/20240513-150058-0
  4. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (2026): Wenn Salz, dann Jodsalz. bmel.de
  5. WHO Regional Office for Europe (2024): People in the WHO European Region at greater risk of iodine deficiency due to changing diets. who.int
  6. Weikert C et al. (2020): Vitamin and Mineral Status in a Vegan Diet. Dtsch Arztebl Int 117:575–582. doi:10.3238/arztebl.2020.0575
  7. Eveleigh ER, Coneyworth L, Welham SJM (2023): Systematic review and meta-analysis of iodine nutrition in modern vegan and vegetarian diets. Br J Nutr 130(9):1580–1594. doi:10.1017/S000711452300051X
  8. Bendadani C et al. (2025): Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel. Bundesgesundheitsblatt 68:1226–1236. doi:10.1007/s00103-025-04134-1
  9. Alaze-Hagemann F et al. (2026): Handlungsempfehlungen des Netzwerks Gesund ins Leben vor und während der Schwangerschaft. Geburtshilfe Frauenheilkd 86(6):e60–e97. doi:10.1055/a-2827-5905
  10. Max Rubner-Institut (2008): Nationale Verzehrsstudie II, Ergebnisbericht Teil 2. mri.bund.de
  11. EFSA (2025): Overview on Tolerable Upper Intake Levels, Version 11 (Jod, SCF 2002). efsa.europa.eu
  12. Bundesinstitut für Risikobewertung (2025): Höchstmengenempfehlungen des BfR für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln (tabellarische Übersicht), Eintrag Jod 2021. bfr.bund.de
  13. Verordnung (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung vom 17.05.2021, Anhang, Eintrag Jod. eur-lex.europa.eu

Nährwerte: Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS), Version 4.0 – Deutsche Nährstoffdatenbank. Karlsruhe. DOI 10.25826/Data20251217-134202-0, Lizenz CC BY 4.0. Werte je Menge: eigene Berechnungen von kalorien.info (BLS-Codes Y622112, Y623612, E111100, R114000, R111000, M402600). Quellen geprüft bis 01.10.2026; ob es eine neuere konsolidierte Fassung der VO (EU) Nr. 432/2012 gibt, ist nicht geprüft.