Nahrungsergänzungsmittel
Magnesium als Nahrungsergänzung: Was Tabletten bei Krämpfen und Blutdruck bringen
Kurz gesagt: Magnesium ist ein Mineralstoff, den Muskeln, Nerven und Knochen brauchen und der in Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen reichlich steckt. Ein Mangel ist bei üblicher Ernährung laut DGE selten. Gegen nächtliche Wadenkrämpfe im Alter brachten Magnesiumtabletten in Studien kaum spürbare Besserung, dafür öfter Durchfall.

Auf einen Blick
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Schätzwert für Erwachsene (DGE, Stand 2021) | Männer 350 mg, Frauen 300 mg am Tag |
| Angemessene Zufuhr (EFSA) | Männer 350 mg, Frauen 300 mg am Tag |
| Mangel bei üblicher Kost | laut DGE selten |
| Höchstmengenvorschlag des BfR für ein NEM | 250 mg je Tagesverzehrempfehlung, verteilt auf zwei oder mehr Portionen |
| Obergrenze für zusätzliches Magnesium (SCF/EFSA) | 250 mg am Tag, gilt nur für Präparate und angereicherte Lebensmittel |
| Häufigste Nebenwirkung von Präparaten | Durchfall |
Referenzwerte und Höchstmengen sind Orientierungsgrößen mit Stelle und Stand, keine Einnahmeempfehlung.
Wie viel Magnesium braucht man, und wo steckt es?
Die DGE nennt für Erwachsene einen Schätzwert von 350 mg am Tag für Männer und 300 mg für Frauen, auch in Schwangerschaft und Stillzeit 300 mg (DGE, Stand der Ableitung 2021). Die europäische Behörde EFSA kommt unabhängig davon auf dieselben Zahlen; sie hat sie aus beobachteten Verzehrmengen in mehreren EU-Ländern abgeleitet, weil es keinen verlässlichen Blutwert gibt, an dem sich der Bedarf festmachen ließe (EFSA 2017).
Gute Lieferanten sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse, Nüsse und Samen. Was einzelne Portionen bringen, zeigt unsere Rechnung:
| Lebensmittel, Portion | Magnesium |
|---|---|
| Sonnenblumenkerne, 25 g (H430100) | 84 mg |
| Spinat roh, 110 g (G211100) | 75 mg |
| Haferflocken, 60 g (C133000) | 73 mg |
| Kürbiskerne, 25 g (H310100) | 71 mg |
| Mandeln, 25 g (H210100) | 54 mg |
| Weizenvollkornbrot, 60 g (B111000) | 36 mg |
| Banane, 110 g (F503100) | 31 mg |
| Linsen gekocht, 125 g (H730132) | 28 mg |
Ein Frühstück aus Haferflocken mit einer Handvoll Kernen kommt so schon auf rund 150 mg, also etwa die Hälfte des Schätzwerts einer Frau. Wie sich solche Bausteine zu einem Tag fügen, beschreibt der Artikel gesund essen ohne Regelwerk; Hintergründe zu allen Mineralstoffen stehen in der Übersicht Mineralstoffe.
Wie häufig ist ein Magnesiummangel?
Bei üblichen Ernährungs- und Lebensgewohnheiten selten, so die DGE. Das deckt sich mit den Verzehrdaten: In 13 Ernährungserhebungen aus neun EU-Ländern lag die durchschnittliche Zufuhr Erwachsener zwischen etwa 230 und 440 mg am Tag (EFSA 2017).
Schwierig ist der Nachweis. Der Magnesiumwert im Blut ist zwar der am häufigsten gemessene Marker, die EFSA hält ihn aber für fragwürdig, wenn es darum geht, Zufuhr oder Versorgung zu beurteilen. Ein normaler Blutwert schließt einen Mangel deshalb nicht sicher aus, ein grenzwertiger beweist ihn nicht. Wer Beschwerden hat, die auf einen Mangel deuten könnten, oder Medikamente nimmt, die den Mineralstoffhaushalt beeinflussen, lässt das ärztlich abklären.
Helfen Magnesiumtabletten gegen Wadenkrämpfe oder Bluthochdruck?
Gegen Wadenkrämpfe im Alter wahrscheinlich kaum, gegen Bluthochdruck nur in kleinem Maß und vor allem bei bestimmten Gruppen.
Wadenkrämpfe. Das ist der Klassiker. Ein Cochrane-Review fasst die Studien zu älteren Menschen mit nächtlichen Krämpfen zusammen: Magnesium machte wahrscheinlich keinen spürbaren Unterschied bei Häufigkeit oder Stärke der Krämpfe, Durchfall trat dagegen häufiger auf (Garrison et al. 2020). Zu Krämpfen in der Schwangerschaft sind die Studien laut demselben Review widersprüchlich, zu Krämpfen beim Sport fehlen sie praktisch.
Blutdruck. In 38 randomisierten Studien sank der obere Wert unter Magnesiumpräparaten im Mittel um knapp 3 mmHg, der untere um gut 2 mmHg. Deutlicher war der Unterschied bei Menschen, die bereits Blutdrucksenker nahmen, und bei nachgewiesen niedrigem Magnesiumspiegel; bei normalem Blutdruck ließ sich kein gesicherter Effekt zeigen (Argeros et al. 2025). Für Menschen mit Bluthochdruck ist das ein Thema für die Arztpraxis, kein Grund zur Selbstbehandlung.
Citrat, Glycinat, Oxid: Ist eine Form besser?
Für Gesunde ohne Mangel spielt das nach der vorhandenen Literatur eine kleinere Rolle, als die Werbung nahelegt. Magnesium steckt in Präparaten immer als Verbindung, etwa als Citrat, Oxid, Carbonat oder an Aminosäuren gebunden; welche, steht in der Zutatenliste. Eine systematische Übersicht über 14 Vergleichsstudien kam zu dem Schluss, dass organische Verbindungen wie Citrat tendenziell besser aufgenommen werden als anorganische wie Oxid und dass der Anteil, der ins Blut gelangt, von der Menge abhängt. Zugleich hielten bei Gesunden ohne vorherigen Mangel alle untersuchten Formen die Werte im normalen Bereich (Pardo et al. 2021).
Wir haben diese Übersicht nur als Zusammenfassung gelesen, deshalb ordnen wir sie vorsichtig ein: niedrig – erste Hinweise. Für Ältere, Kranke oder Menschen mit niedrigen Ausgangswerten lässt sich daraus laut den Autorinnen und Autoren nichts Sicheres ableiten. Ein Preisaufschlag für eine bestimmte Verbindung ist mit diesen Daten jedenfalls nicht begründbar.
Was darf auf der Packung stehen?
Für Magnesium sind zahlreiche Angaben zugelassen, darunter diese vier, wörtlich:
- Zugelassene Angabe (EU-Register, VO (EU) Nr. 432/2012): „Magnesium trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei“
- Zugelassene Angabe (EU-Register, VO (EU) Nr. 432/2012): „Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei“
- Zugelassene Angabe (EU-Register, VO (EU) Nr. 432/2012): „Magnesium trägt zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei“
- Zugelassene Angabe (EU-Register, VO (EU) Nr. 432/2012): „Magnesium trägt zum Elektrolytgleichgewicht bei“
Quelle: VO (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung vom 17.05.2021. Die Sätze beschreiben, wofür Magnesium gebraucht wird – und dass ein Mangel müde machen kann. Dass zusätzliches Magnesium bei gedecktem Bedarf wacher, entspannter oder krampffreier macht, sagen sie nicht. Erlaubt sind sie nur für Produkte, die eine in der EU festgelegte Mindestmenge enthalten.
Kann zu viel Magnesium schaden?
Aus Lebensmitteln nicht – bei Gesunden wurden darüber keine nachteiligen Wirkungen beobachtet. Bei Präparaten ist die erste unerwünschte Wirkung, die auftritt, ein weicher Stuhl bis Durchfall. Aus diesem Grund hat das frühere wissenschaftliche Gremium der EU-Kommission eine Obergrenze von 250 mg am Tag für zusätzlich aufgenommenes Magnesium festgelegt; sie gilt ausdrücklich nur für Präparate und angereicherte Lebensmittel, nicht für Magnesium aus normalem Essen. Leichter Durchfall trat in Studien bei einem kleinen Teil der Erwachsenen ab zusätzlichen Mengen um 360 mg auf. Das BfR schlägt für ein einzelnes Nahrungsergänzungsmittel deshalb höchstens 250 mg je empfohlener Tagesmenge vor und regt an, dass Hersteller diese Menge auf zwei oder mehr Portionen verteilen (BfR 2021).
Ernster wird es, wenn mehrere Produkte zusammenkommen. In einer Analyse von 50 sogenannten Testosteron-Boostern überschritten 13 Produkte die Höchstmengen unter anderem für Magnesium (Clemesha et al. 2020). Und Mineralstoffpräparate können sich mit Arzneimitteln gegenseitig beeinflussen; wer regelmäßig Medikamente nimmt, klärt das vorher in der Apotheke oder Arztpraxis (Bendadani et al. 2025).
Häufige Fragen
Sind Magnesiumtabletten sinnvoll, wenn ich viel Sport mache?
Wer viel trainiert, isst meist auch mehr und nimmt damit mehr Magnesium auf. Einen belegten Vorteil von Präparaten bei Gesunden ohne Mangel haben wir nicht gefunden. Bei Beschwerden lohnt der Weg in die Arztpraxis.
Helfen Magnesiumtabletten gegen Müdigkeit?
Die zugelassene Angabe „trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei“ bezieht sich auf die Rolle von Magnesium im Stoffwechsel. Dass zusätzliches Magnesium bei gedecktem Bedarf wacher macht, ist damit nicht gezeigt. Anhaltende Müdigkeit hat viele mögliche Ursachen und gehört ärztlich abgeklärt.
Kann ich meinen Magnesiumbedarf ohne Präparat decken?
In aller Regel ja. Vollkorn, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen liefern viel Magnesium; schon wenige Portionen am Tag bringen einen großen Teil des Schätzwerts.
Warum soll man Magnesium auf mehrere Portionen verteilen?
Weil Durchfall die erste Nebenwirkung größerer Mengen ist und die Studien, auf denen die Obergrenze beruht, meist mit verteilten Gaben gearbeitet haben. Das BfR hat das deshalb als Hinweis für Hersteller vorgeschlagen.
Quellen und Stand
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2026): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Magnesium (Stand der Ableitung 2021). dge.de
- EFSA (2017): Dietary reference values for nutrients: Summary report, Abschnitt 4.7 Magnesium. EFSA supporting publication e15121. doi:10.2903/sp.efsa.2017.e15121
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2021): Höchstmengenvorschläge für Magnesium in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. bfr.bund.de
- EFSA (2025): Overview on Tolerable Upper Intake Levels, Version 11. efsa.europa.eu
- Garrison SR et al. (2020): Magnesium for skeletal muscle cramps. Cochrane Database Syst Rev 9:CD009402. doi:10.1002/14651858.cd009402.pub3
- Argeros Z et al. (2025): Magnesium Supplementation and Blood Pressure: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Hypertension 82(11):1844–1856. doi:10.1161/hypertensionaha.125.25129
- Pardo MR et al. (2021): Bioavailability of magnesium food supplements: A systematic review. Nutrition 89:111294 (nur Zusammenfassung gelesen). doi:10.1016/j.nut.2021.111294
- Clemesha CG, Thaker H, Samplaski MK (2020): ‘Testosterone boosting’ supplements composition and claims are not supported by the academic literature. World J Mens Health 38(1):115–122. doi:10.5534/wjmh.190043
- Bendadani C et al. (2025): Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Lebensmittel. Bundesgesundheitsblatt 68:1226–1236. doi:10.1007/s00103-025-04134-1
- Verordnung (EU) Nr. 432/2012, konsolidierte Fassung vom 17.05.2021, Anhang, Eintrag Magnesium. eur-lex.europa.eu
Nährwerte: Max Rubner-Institut (2025): Bundeslebensmittelschlüssel (BLS), Version 4.0 – Deutsche Nährstoffdatenbank. Karlsruhe. DOI 10.25826/Data20251217-134202-0, Lizenz CC BY 4.0. Werte je Portion: eigene Berechnungen von kalorien.info (BLS-Codes H430100, G211100, C133000, H310100, H210100, B111000, F503100, H730132). Quellen geprüft bis 01.10.2026; ob es eine neuere konsolidierte Fassung der VO (EU) Nr. 432/2012 gibt, ist nicht geprüft.